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Bauernbefreiung

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Bauernbefreiung – das klingt nach „Ketten sprengen“, nach „Kampf für Freiheit“, nach Revolution! Gebunden im Zwang industrieller Massenproduktion und dem gleichzeitigen Erfüllen von immer weiter steigenden Anforderungen, reibt sich die bäuerliche Landwirtschaft langsam aber sicher auf..

Tatsächlich demonstrieren seit Monaten immer wieder Bauern mit Schleppern in ganz Deutschland. Doch ein Blick auf die Ziele der Demonstranten ist ernüchternd: Umweltauflagen der neuen Düngeverordnung sollen zurückgenommen werden. Das „Bauernbashing“ soll aufhören und man wünscht sich mehr Anerkennung und Gehör bei der Politik.

Reicht das für eine „Bauernbefreiung“?

Wo sind Visionen und Ziele, wo sind Strategien für die Problembewältigungen?

Dazu herrscht innerhalb der Landwirtschaft großes Schweigen. Es ist leider auch ein Verschweigen der eigenen Verantwortung. Mahner und Kritiker des „System Landwirtschaft“ gibt es schon seit Jahren. Diese jedoch fordern eine ökologische Agrarwende, welche vom Großteil der Bauernschaft kategorisch abgelehnt wird. Mehr noch, die Kritiker, die Mahner, die Medien, die Gesellschaft und die Politik seien ursächlich für die beklagte Situation verantwortlich.

Deshalb hängt die Schallplatte der Schuldzuweisungen an Verbraucher, Medien und Politik in einer ermüdenden Dauerschleife. Immer wieder angetrieben durch eine sich selbst bestätigende „landwirtschaftliche Blase“. Die kollektive Wut auf die Anderen vereint wohl die protestierenden Landwirte mehr als der Wunsch nach wirklicher Veränderung.

Denn dazu wäre eine kritische Herangehensweise an das bestehende „System Landwirtschaft“ notwendig. Wer profitiert von wem in diesem System der modernen Landwirtschaft? Wie kommen die bedrückenden Abhängigkeiten der Bauern zustande? Wo und wie könnten die Bauern, ohne die Bevormundung durch Politik und Verwaltung, selbst Änderungen herbei führen?

Krisenzeiten bieten immer auch Chancen. Es wäre also die Suche nach neuen Perspektiven und Verbündeten sinnvoller als das Verteidigen der alten Wagenburgen. Befreiung erlangt man nur, wenn man sich selbst frei macht. Von den eingeschliffenen Glaubenssätzen und den Verführungen der herrschenden Agrarbranche. Wer allein darauf hofft, von Politik, Verbänden oder Parteien befreit zu werden, der geht den neuen und alten Bauernfängern auf den Leim.

Bauernbefreiung beginnt mit ehrlicher Selbsterkenntnis. Welcher Bauer, welche Genossenschaft, welcher Bauernverband und welche Partei hat den Mut dazu?