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AGL: Es geht ums Ganze

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In Soltau traf sich kürzlich die Allianz Gesellschaft Landwirtschaft, eine noch junge, lose Sammlungsbewegung von Menschen, die sich der Landwirtschaft verbunden fühlen und gemeinsam nach neuen Wegen suchen.
„Was tut der Natur, der Gesellschaft, den Menschen und schließlich den Landwirten gut?“ – so hieß die übergeordnete Fragestellung des Treffens, geleitet von der gemeinsamen Vision: „Bürger & Bauern stehen gemeinsam auf, etablieren eine enkeltaugliche Landwirtschaft und ein klimafreundliches Konsumverhalten.“

Der Wunsch nach einer Erneuerung „von unten“ verbindet uns ebenso wie der gemeinsame Wille, der Landwirtschaft neue Perspektiven zu eröffnen.

Ändern muß sich sehr viel, nicht nur in der Landwirtschaft.

Bauernbefreiung.eu ist nur eine von vielen Möglichkeiten, konkrete Veränderungen anzuregen. Nicht nur die Bauern stecken in der Sackgasse, in der ganzen Gesellschaft wächst die Erkenntnis, dass Wachstum und Fortschritt an unüberwindbare Grenzen stoßen.

Es geht ums Ganze

Wir sehen die Menschheit vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte. Wir erkennen, dass wir nicht so weitermachen können wie bisher. Wie können wir unsere Lebensweise, unser kollektives Verhalten ändern?

Enthaltsamkeit ist das Vergnügen                                                    an Sachen, welche wir nicht kriegen. (Wilhelm Busch)

Veränderung wird möglich, wenn wir uns als Teil einer Gemeinschaft begreifen, die ein gemeinsames Bewusstsein herausbildet und sich auf neue Regeln und Verhaltensweisen verständigt. Der Übergang zu einer anderen Lebens- und Wirtschaftsweise kann nur im Konsens gelingen.

Die Notwendigkeit von Paradigmenwechsel, Bewusstseins- und Verhaltensänderungen wird immer dringlicher, aber sie ist nicht neu.

Alternativen zur schulden- und konsumgetriebenen Wirtschaftsweise und Konzepte für eine ressourcenschonende, energiesparende Wirtschaftsordnung gibt es seit mehr als vierzig Jahren. Bereits nach dem ersten Bericht des Club of Rome 1972 und den Ölschocks der 1970er Jahre entstanden in der damaligen Umweltbewegung auch Vorschläge zu einer ökologischen Reform der sozialen Marktwirtschaft. Diese Ideen haben sich nicht durchsetzen können, weil sie nicht einmal in der Umweltbewegung konsensfähig waren. Denn eine konsequente Transformation zu einer weniger verschwenderischen Lebensweise könnte auch vor öffentlichen Haushalten und sozialen Errungenschaften nicht Halt machen.

Jede marktwirtschaftliche Reform der Wirtschaftsordnung würde davon ausgehen, dass das Verhalten der „Wirtschaftssubjekte“ durch Preise und Kosten gesteuert wird. In der Konsequenz würde ein Umbau des Wirtschaftssystems zu einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft darauf hinauslaufen, das ordnungspolitische Anreiz- und Steuersystem völlig neu zu erfinden: Steuern und Abgaben wären nicht mehr auf Arbeitseinkommen zu erheben, sondern auf Rohstoffe und Energie, bevorzugt auf deren Import. Dies müsste stufenweise über einen langen Zeitraum von zehn oder zwanzig Jahren erfolgen, damit die Volkswirtschaft sich umstellen kann. Die Arbeitseinkommen würden stufenweise entlastet, viele industriell erzeugte Güter würden teurer. Auch die Finanzierung der Sozialsysteme müsste umgestellt werden.  Eine transformierte Gesellschaft müsste das eigene Wirtschaftssystem mit Zollbarrieren schützen und sich vom Rest der Welt abkapseln. Das ginge allenfalls gemeinsam mit den europäischen Nachbarn.

Eine gesamteuropäische Transformation hätte unzählige Widerstände, Ansprüche, Ängste und Besitzstände zu überwinden.

„Weniger ist mehr“ wird nicht gewählt.

Obwohl Ökologie und Bewusstseinswandel viel Sympathie genießen, scheinen sich nicht nur Politiker, sondern auch 99% der Wahlberechtigten bei Wahlen von ganz anderen Überlegungen und Interessen leiten zu lassen – das Hemd ist näher als der Rock!

Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. (Bertolt Brecht)

In den 1990er Jahren kam der Bewusstseinswandel ins Stocken, andere Themen rückten in den Vordergrund: Wiedervereinigung, Golfkrieg, Jugoslawienkrise, Zerfall der Sowjetunion, das Wachstum des Welthandels – die Ökologie geriet erst einmal in Vergessenheit. Im neuen Jahrtausend werden wir nun immer öfter mit den Folgen einer kurzsichtigen, verschwenderischen Lebensweise konfrontiert. Das Bewusstsein ändert sich, eine andere Wirtschaftsweise wird unvermeidbar, wenn das Ende der Sackgasse für alle erreicht ist und die ganze konsum- und schuldengetriebene Wachstumswirtschaft zusammenbricht.

Die Landwirtschaft ist dort bereits angekommen. Hier hat das industrielle „Mehr , Größer, Billiger“ keine Zukunft mehr; es wird nun darum gehen, Überproduktion und Mengendruck abzubauen und für weniger Menge höhere Preise zu erzielen.

Für die Bauern muß sich jetzt etwas ändern, auf eine allgemeine, gesamteuropäische Transformation kann die Landwirtschaft nicht warten. Auch die eine oder andere „Bauernmilliarde“ kann keinen Aufschub erkaufen.

Allianz Gesellschaft Landwirtschaft: https://www.allianz-glw.de