Kategorien
Allgemein

Ein Machtwort der Natur

image_pdfimage_print

In unserem Aufruf auf der Startseite heißt es unter anderem: „Krisenhafte Zustände wird es in der Welt des 21. Jahrhunderts mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder geben. (…) Regionale Selbstversorgung wird das Gebot der Stunde sein, wenn globale Plünderung nicht mehr möglich ist.“

Als der Aufruf am 18.12.2019 veröffentlicht wurde, war das Coronavirus noch unbekannt. Niemand konnte wissen, wann und wie die Natur uns zwingen würde, unsere Lebensweise zu ändern. Nun ist es so weit: ein Virus setzt durch, was mit Vernunft und Freiwilligkeit nicht zu erreichen war. Je länger das Virus grassiert, desto weniger wird produziert, transportiert, veranstaltet und gereist. Ein Virus hat die Macht, die Räder zum Stillstand zu bringen. Ein Virus erreicht mehr als Fridays for Future und alle Klimakonferenzen.

Die Menschen ändern abrupt ihr Verhalten – aber nicht, um Klima oder Umwelt zu schützen, sondern um sich selbst zu schützen. Dazu bedurfte es offenbar eines machtvollen Fingerzeigs.

Das Virus mag gar nicht so tödlich sein, dennoch würde eine ungebremste Pandemie jedes Gesundheitssystem überfordern: für Tausende Patienten in kritischem Zustand gäbe es weder genug Herz-Lungen-Maschinen noch genug Pflegepersonal.

Vielleicht ist mit dem Jahr 2019 ein Zeitalter der Sorglosigkeit zu Ende gegangen. Not und Elend schienen endlich überwunden – nun versetzt ein neues Virus die Welt in Angst und Schrecken. Die  verheerende Wirkung kann einige Jahre andauern und die überschuldete und geschwächte Welt der Menschen in Inflation und Chaos versinken lassen. Mit Krankheit und Tod tritt auch das Böse wieder auf den Plan: machtbesessene Despoten nutzen die Gunst der Stunde und die Schwäche der Nachbarn für ihre kriegerischen Ambitionen.

Je länger und heftiger das Virus wirkt, desto gründlicher wird es das Verhalten verändern. Hygiene, Abschottung, Vorsicht und Mißtrauen werden das Verhalten bestimmen. Mißtrauen und Unsicherheit zersetzen und beenden eine Zivilisation, die sich ganz und gar auf Kredit (= Vertrauen), Wachstum und Wohlwollen verlassen zu können glaubte.

Man muß gar kein Pessimist oder Menschenfeind sein. Nur: Wer sich künftig nach dem Prinzip Hoffnung allein auf Wohlwollen und Gesundheit der anderen verlässt, gefährdet sich selbst und seine engste Umgebung. So hat ein Virus das Potenzial, das Prinzip Verantwortung durchzusetzen. Eine letzte Chance für die Menschheit?

Das Virus wird nicht von selbst wieder verschwinden. Vielleicht wird es in ein oder zwei Jahren einen wirksamen Impfstoff geben, vielleicht gibt es auch genug Herz-Lungen-Maschinen. Ob das angeschlagene Finanzsystem aber noch einmal durch künstliche Beatmung zu retten sein wird? An diesem Virus werden sich Politik und Zentralbanken noch die Zähne ausbeißen.

Ein winziges Virus zeigt uns unsere ganze Machtlosigkeit. Wir werden die Natur niemals besiegen oder auch nur das Klima retten. Die Natur wird immer am längeren Hebel sitzen. Wer es nach dieser überaus präzisen, milden Warnung noch nicht begreifen will, sollte sich auf schlimmere Überraschungen gefasst machen. Wer die Natur und das Leben liebt, darf sich gelassen zurücklehnen.