Wirtschaftskrise und Deglobalisierung

Das Coronavirus hat in nur zwei Monaten einen größeren Beitrag zum Klimaschutz geleistet als alle Klimakonferenzen, Proteste und Absichtserklärungen der letzten zwanzig Jahre.
Flugreisen werden storniert, Flüge gestrichen, Hotels und Kreuzfahrtschiffe werden zu Virusgefängnisssen. Die Angst vor dem Virus dürfte Mobilität, Massentourismus und große Teile der Wirtschaft zum Erliegen bringen. Das Entsetzen über die wirtschaflichen Folgen wird dann viel größer sein als die Freude über den sinkenden Energieverbrauch und die Entlastung von Umwelt und Natur.

Wie man hört, werden nicht nur Atemmasken, sondern auch die meisten pharmazeutischen Präparate heute in China hergestellt, zu einem großen Teil in dem von der Seuche am schwersten getroffenen Gebiet um Wuhan. Die Unterbrechung von Lieferketten wird jeden Industriezweig treffen, unzählige Menschen verlieren ihr Einkommen und haben auf einmal ganz andere Sorgen als den Kauf eines neuen Autos oder Smartphones. Die Weltwirtschaft wird nicht nur durch Produktionsausfälle, sondern auch durch Nachfrageausfall in die Knie gezwungen.

Schlagartig dringt die Abhängigkeit von entfernten Ländern in das Bewusstsein. Wie konnte es so weit kommen? Wer hat diesen Leichtsinn zu verantworten? Wird man aus dem gewaltigen Schaden wenigstens klug werden?

Vermassung, Verstädterung und Globalisierung sind die Ursachen für die blitzschnelle Ausbreitung einer neuen Seuche. Ob sie am Ende doch harmloser ist als zunächst befürchtet, spielt keine Rolle: das nächste Virus kann viel tödlicher sein, und es kann nach SARS, MERS und Covid jederzeit mit neuen Überraschungen gerechnet werden, wenn der Massen- und Globalisierungswahnsinn weitergeht.

Wie kann man überhaupt die Produktion lebenswichtiger Güter wieder in das eigene Land zurückholen? China hat die eigene Industrie strategisch und planmäßig auf den Beginn der Lieferketten ausgerichtet, auf Vorprodukte, Wirkstoffe oder auch strategisch wichtige Rohstoffe wie seltene Erden. Wer sich nicht von anderen abhängig machen will, wird künftig auch das im eigenen Lande herstellen müssen, was bisher wegen der hierzulande hohen Löhne oder Umweltauflagen nicht mehr wettbewerbsfähig war.

Lebenswichtige Produkte können nur im eigenen Land erzeugt werden, wenn die Hersteller durch Zölle vor Billigimporten geschützt werden. Hier werden Politik und Gesellschaft in den nächsten Jahren umdenken, viele Länder werden sich abschotten. Die Epoche der Sorglosigkeit ist vorbei, die gesellschaftlichen Kosten von Billigimporten sind zu hoch, zu groß auch das Ansteckungsrisiko weltweiter Lieferketten.

Die Natur hat übernommen: das Virus wird für Vernunft sorgen und die Regionalisierung von Wertschöpfungsketten erzwingen.

Das wars.